Das schwarze Schaf

Nach der Übernachtung in der Kirche fing mein Tag im Dunkeln an. Heute fühlte ich mich gut. Ich merkte meinen Rucksack nach dieser langen Zeit des pilgerns oft gar nicht mehr und ich war sehr motiviert. Zunächst erwartete mich eine lange Strecke von 17 Kilometern durch die eintönige Landschaft der Meseta. Auf dem Weg sollte es keine Dörfer und auch keine Brunnen geben. Deswegen lief ich früh los, damit ich diese Strecke hinter mich gebracht habe, bevor es zu heiß wurde. Wahrscheinlich könnt ihr es nicht mehr hören und sehen, aber mich begrüßte ein wunderschöner Sonnenaufgang. Ja, ich liebe Sonnenauf- und untergänge.

Nachdem die 17 Kilometer Strecke geschafft war (die ich gar nicht so schlimm fand), ruhte ich mich in dem nächsten Dorf aus und frühstückte einen Bocadillo mit einem Omelette. Die Bocadillos sind eine Art Brot oder Baguette gefüllt mit Käse, Schinken, Ei oder anderen Sachen. Manchmal ist da noch etwas Olivenöl drauf. 🙂 Je nach dem was man möchte. Ich ernähre mich hier quasi von den Dingern.

Es ging weiter durch Dörfer und eins ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Es war so niedlich geschmückt. Ich weiß nicht was an dem Tag mit mir los war, aber ich lief im zügigen Schritt und ließ die Kilometer nur an mir vorbeiziehen. Ich machte nur einmal kurz Pause, um den erwähnten Bocadillo zu Essen und ansonsten lief ich durch. Als ich bei 33 Kilometern angelangt war, setzte ich mich in einem Dorf auf eine Bank, füllte meine Wasserflasche an einem Brunnen auf und beobachtete kurz einen Mann der seine Schafherde durchs ausgestorbene Dorf scheuchte.  Ich hatte noch Kraft und Lust zu laufen, also gönnte ich mir weitere 7 Kilometer bis in die nächste kleine Stadt namens ,,Sahagun“. Der Ortseingang Sahaguns war wieder mal alles andere als schön. Diesmal hab ich paar Bilder davon für euch, damit ihr nicht denkt ich sehe nur wunderschöne Landschaften hier und meckere unnötig über Ortseingänge rum. Ich war auch schon am Ende meiner Kräfte, da ich meine 40 Km in meiner Rekordszeit gelaufen bin. Ich muss aber auch zugeben, dass der Weg komplett flach gewesen ist. Sahagun blieb fast bis zum Ende hässlich. Doch dann kam die Kirche und ein kleiner alter Platz, wo es dann ganz schön aussah. Ich war schon fast am Ortsausgang und fand meinen Schlafplatz für heute und zwar wieder in einer Kirchenunterkunft.

 

Santiago kommt näher
das süß geschmückte Dorf
Ortseingang Sahagun
und weiter gehts...
schon besser

Ich wurde sehr herzlich begrüßt und mir wurde alles in der Unterkunft gezeigt. Der Aufenthaltsraum, die kleine Kapelle, die Küche, der Garten und die Zimmer. Der Priester, der hier alles leitete war relativ jung und sprach gutes Englisch, was mal zur Abwechslung echt gut tat sich verständigen zu können. Er teilte mir mit, dass um 17 Uhr immer eine Kennenlernrunde mit Kaffee und Kuchen im Aufenthaltsraum stattfindet, um 18:30 die Messe für die Pilger in der Kapelle und im Anschluss dann die Segnung der Pilger. Obwohl ich nach meinem anstrengenden Tag kaum laufen konnte, machte ich mich schnell fertig, wusch meine Sachen legte mich für eine halbe Stunde noch hin und ging dann um 17 Uhr runter in den Aufenthaltsraum. Da waren schon irgendwelche Karten vorbereitet und Stühle im Kreis aufgestellt. Bereit neue Pilger kennenzulernen, freute ich mich auf das was kommen würde. Ich dachte an Aaron, der einige Orte vor mir geblieben ist, dem hätte das sicherlich auch gefallen. Ich setzte mich auf einen Stuhl und beobachtete paar neu hereinkommende Pilger. Der Priester kam zu mir, bot mir was zu trinken an und bat mich, mich an dem vorbereiteten Tisch mit Keksen und Süßigkeiten zu bedienen. Er meinte wir würden noch ein bisschen warten, denn die meisten Pilger würden zu spät kommen. Ich machte mir einen Tee, setzte mich hin und beobachtete weiter das Geschehen im Flur. Es kam eine Gruppe von Spaniern an. Eine Frau und zwei Männer. Gleich dahinter kam noch ein sehr hellhäutiger blonder junger Mann hinein. Hmm der ist sicher aus Nordeuropa, dachte ich mir. Während sie eingecheckt wurden kam ein anderer Mann zu dem Priester. Dieser konnte kaum Englisch sprechen und ich bekam einige Wortfetzen des Gesprächs mit. Es ging um Diebstahl und Polizei. Die Spanierin, die den Mann wohl kannte kam hinzu und wollte helfen, obwohl sie auch die Sprache des Mannes nicht sprach. Interessiert schaute ich weiter zu. Die Spanierin lächelte mich freundlich an. Ich ging in den Flur zu den Neuankömmlingen und fing ein Gespräch mit ihnen an. Ich erfuhr, dass die Spanierin namens Loretto mit ihrem Freund Ruben unterwegs ist und sie den anderen Spanier Gorka auf dem Weg kennengelernt hatten. Der blonde junge Mann kam aus England und der hat sich dann auch ihrer Gruppe angeschlossen. Sie waren alle sehr aufgeschlossene und nette Menschen. Als sie dann alle in ihre Zimmer gingen, ging ich zurück in den Raum und setzte mich. Der Priester setzte sich zu mir und meinte es sehe wohl so aus, dass keiner mehr kommen würde. Ich war etwas enttäuscht, aber zu Corona Zeiten, wo so wenig Leute unterwegs sind, ist das wohl normal. Der Priester meinte wir können uns ja dann zu zweit unterhalten. Er erzählte mir zunächst von dem Mann und der ganzen Sache mit dem Diebstahl. Der Mann wurde letzte Nacht hier beklaut. Er hatte wohl nur Bargeld dabei gehabt und ihm fehlten nun über 500 Euro.  Er war heute schon 10 Km weitergelaufen als er merkte, dass das Geld fehlte und ist nochmal zurückgekommen. Heute Nacht durfte er umsonst in der Kirche übernachten, aber das Geld würde er wohl nicht mehr wiedersehen. Da wurde mir mal wieder bewusst, dass ich nicht nachsichtig werden durfte. Das passiert beim Reisen sehr schnell, vor allem wenn man sich wohl fühlt unter den Menschen die man trifft. Dann wechselten wir das Thema und es entwickelte sich ein sehr schönes Gespräch. Der Priester fragte mich wieso ich den Jakobsweg laufen würde, was ich mir davon erhoffte und was ich schon für Erkenntnisse gewonnen hätte. Ich erzählte alles was mir in den Sinn kam und er fragte immer noch gezielter nach, sodass ich mich nach einer Weile ein bisschen fühlte wie bei einem Psychologen. Aber ich fands schön, denn es passiert selten, dass Menschen einen wirklich sehen wollen und sich nicht mit einer Standartantwort zufrieden geben. Auf einmal kam Gorka ins Zimmer und gesellte sich zu uns und dann führten wir das Gespräch fort. Wir unterhielten uns weiterhin über Gott und die Welt und unsere Erkenntnisse auf dem Camino. Der Priester erzählte uns auch einige Geschichten von Menschen, die sich in solcher Runde geöffnet hätten und ihm rührende Erzählungen aus ihrem Leben berichtet haben. Er erzählte uns, dass eine der Haupterkenntnisse der Menschen auf dem Camino sei, dass sie merken, dass sie gar nicht so viele Sachen bzw. kaum Sachen brauchen. Oder, dass sie nach einiger Zeit merken, wie unwichtig viele ihrer Probleme doch sind und dass sie nicht alles kontrollieren müssen und können. Es war wundervoll. Vor allem war es ein ganz besonderer Moment für mich, da ich mich vor einigen Jahren nicht in meinem schönsten Traum getraut hätte vor anderen und auch noch fremden Menschen über solche Themen zu sprechen und auch noch meine eigene Meinung zu sagen.

der Aufenthaltsraum

Nach dem Gespräch ging ich noch zur Pilgermesse und diese war diesmal anders als die letzte. Der Priester hat auch vieles versucht auf Englisch zu übersetzen und somit fühlten sich die, die der spanischen Sprache nicht mächtig waren, mit eingebunden. Nach dem Gottesdienst traf ich im Flur noch eine Frau aus Deutschland und wir unterhielten uns ein wenig. Sie kannte auch den Thomas und die fast blinde Frau und es war schön mal wieder über die Pilger zu reden, die man kennengelernt hatte. Sie riet mir noch auf meine Sachen aufzupassen und wir unterhielten uns über den Vorfall mit dem Diebstahl. Sie sagte, ihr wäre der Mann der beklaut wurde nicht ganz geheuer. Sie wäre schon öfter in Alberguen mit ihm zusammen gewesen und sie hätte komisches Verhalten bei ihm entdeckt. Sie hätte ihn in Zimmern gesehen wo er nicht hingehörte und auch nachts hatte sie ihn rumschleichen sehen. Ich dankte ihr für die Warnung und nach unserem Gespräch ging ich dann zum Supermarkt gegenüber und kaufte mir einige Sachen, um mir ein paar Brote zum Abendessen machen zu können. Ich bereitete mir alles in der kleinen Küche zu und ging dann mit meinem Teller nach draußen. Sofort wurde ich von Loretto und ihren Freunden an den Tisch gewunken. Auch die Spanierin, mit der ich mir ein Zimmer teilte war dabei. Zu dem Zeitpunkt waren nur Spanier da und sie redeten auch nur spanisch. Ich aß mein Brot und versuchte was zu verstehen. Ich muss zugeben, dass ich einige Fortschritte nach diesen paar Wochen bei mir sehe. Ab und zu versuchten Lorretto und ihr Freund auf Englisch zu reden. Ich denke sie waren auch die einzigen, die englisch sprachen. Loretto fragte mich, ob ich mit ihnen allen auf ein Bier mitkommen wollen würde. Ich sagte dankend ab, denn ich war super müde. Doch als sie dann alle aufbrachen und sie mich noch mal fragte, überlegte ich es mir anders und entschied mich doch mitzukommen. Als wir dann mit den ganzen Spaniern draußen waren, stießen noch andere Leute dazu. Einige von ihnen kannte ich schon. Gorka, Chris den Engländer und den Mann der beklaut wurde. Ein neues Gesicht viel mir auf. Der Brasilianer stellte sich mir als Carlos vor und wir kamen in ein Gespräch über Brasilien, welches ich ja so liebte. Es war eine echt coole Truppe und dadurch, dass Chris und ich kein spanisch sprachen, unterhielten sich viele auf Englisch. Der Abend war sehr lustig. Der Mann, der beklaut wurde, erzählte mir, dass er aus Ungarn kommt und alle ihn George nennen. Das war somit das einzige was er auf Englisch sagen konnte. Ansonsten zeigte er mir Bilder von seiner Frau und seinem Sohn. Die anderen mussten alle schmunzeln als sie das sahen. Ich denke, dass hat er bei jedem gemacht. Chris erzählte mir, dass Loretto, Ruben, Gorka, Carlos, George und er seit über einer Woche gemeinsam unterwegs seien. Sie würden zwar zu unterschiedlichen Zeiten laufen, aber würden sich meistens dann Abends treffen. Dann erzählte er mir, dass George den einen Tag weiterlaufen wollte und das war dann der Abend wo er beklaut wurde. Heute war er wieder mit ihnen zusammen. Carlos und Chris hatten großes Mitleid mit ihm und sie boten ihm an ihm sein Essen und die Unterkünfte bis nach Santiago zu bezahlen, damit er seinen Camino nicht vorzeitig abbrechen müsse. Sie hatten sogar überlegt ihm einfach so 500 Euro zu geben, aber hatten sich dann doch für die erste Variante entschieden. Ich fand das sehr beeindruckend und konnte es mal wieder nicht glauben, was für guten Menschen man immer wieder begegnet. So oft konzentrieren wir uns auf das was die Menschen falsch machen oder wir schenken Menschen, die uns nicht gut tun zu viel Beachtung. Es ist so viel schöner und einfacher das Gute in den Menschen zu sehen und Zeit mit solchen Menschen zu verbringen. Generell herrschte so viel Liebe in dieser Gruppe und auch die Art wie sie mit George umgingen, der wirklich kaum was sagen konnte, rührte mich sehr. Wir hatten so viel Spaß, dass wir gar nicht bemerkten, dass es schon nach 22 Uhr war. Da wir ja in einer kirchlichen Unterkunft übernachteten, mussten wir um 22 Uhr spätestens in den Betten sein. Wir machten uns schnell auf den Weg und hofften, wir müssen nicht alle draußen übernachten. Wir hatten Glück und einer der Mitarbeiter rauchte draußen noch eine Zigarette und lachte über unsere schuldvollen Gesichter. Ich unterhielt mich noch ein bisschen in einem Mix aus englisch und spanisch mit der Spanierin in meinem Zimmer und irgendwie ging das mit der Verständigung ganz gut. Kurz bevor ich an diesem Abend dann meine Augen schloss ging ich den Tag noch mal durch und schlief mit einem Lächeln ein. 

Die Gruppe war was das Laufen anging ziemlich entspannt drauf und sie wollten den darauffolgenden Tag bis zu einem Ort namens ,,El Burgo Ranero“ laufen. Chris und Co. wollten unbedingt, dass ich mit ihnen dort bleibe und ich wollte meine neu gewonnen Freunde nicht wieder so schnell verlassen, also entschied ich mich auch für diese kurze Etappe von nur 18 Kilometern. Bevor es an dem Tag losging, frühstückte ich noch mit Gorka und er gab mir ein bisschen spanisch Unterricht. Der Tag fing doch schon mal gut an. Ich lief los und die anderen würden folgen. Sie machten mir eh zu viele Pausen in Bars, deshalb freute ich mich dann sie in dem Ort zu treffen, aber den Weg alleine zu laufen. Die 18 Km vergingen wie nichts. Der Weg war flach und die typische Meseta Landschaft halt. Auf dem Weg traf ich eine Frau aus Frankreich, die auch beim Frühstück in der Kirche da gewesen ist und wir liefen die letzten Kilometer gemeinsam. In dem Dörfchen erwartete uns eine superschöne Albergue mit einem riesigen Garten. Wir kamen vor 13 Uhr schon an und da es an dem Tag 37 Grad werden sollten, war es der perfekte Ort den Nachmittag zu verbringen. Ich erledigte was es zu erledigen gab und legte mich dann auf eine Liege in den Halbschatten. Ich hörte Musik, las ein wenig und genoss mein Pilgerleben. Nach und nach trudelten dann die anderen ein. Loretto und Ruben schliefen meistens im Zelt und wollten das auch heute tun und George wollte auch in seiner Hängematte draußen schlafen. Carlos schlief meistens in Hotels und so verteilte sich die Gruppe erstmal ein wenig. Ich verbrachte den Nachmittag mit Chris und gegen 17 Uhr gingen wir dann los Carlos abholen um was trinken zu gehen. Auch Gorka begleitete uns. Ich hatte nach dem kleinen Frühstück nichts mehr gegessen also hoffte ich auch schon was zu Essen zu bekommen, wobei meine Hoffnung klein blieb. Als wir uns dann in eins der wenigen Restaurants setzten, hieß es natürlich, dass die Küche erst um 19 Uhr aufmachte. Carlos sah meinen verzweifelten und hungrigen Blick und da das Restaurant zu dem Hotel in dem er schlief gehörte, überredete er auf charmante Art und Weise die Frau mir ein Omelette zu machen. Sie war nicht sehr begeistert von der Idee, aber machte es dann. Gott sei Dank. Später kam der Rest der Gruppe noch dazu und es wurde wieder sehr lustig. Die Art wie alle miteinander sprachen, halb englisch halb spanisch und mit George dann noch Zeichensprache, war einfach zu lustig. Und je mehr Bier sie alle tranken, desto verwirrender wurde es. Wir lachten sehr viel. Später am Abend sah ich noch die Dänin wieder und ich freute mich mal wieder sehr ein Teil dieser Camino Community zu sein.

die Albergue mit dem Garten
die Gang

Irgendwann machten wir uns dann alle in unsere Zimmer, Zelte und Hängematten. In unserem Dorm, welches viele Betten hatte und gut gefüllt war, war es sehr stickig. Ich konnte nicht einschlafen. Chris und ich fingen an uns WhatsApp Nachrichten zu schicken und er schlug vor im Garten zu schlafen. Ich willigte sofort ein und so machten wir uns mit unseren Schlafsäcken auf in den Garten. Wir entschieden uns nicht auf dem Rasen zu liegen sondern auf den Liegen. Es war zwar etwas härter, aber dafür um einiges wärmer. Wir mummelten uns in unsere Schlafsäcke und betrachteten den wunderschönen Sternenhimmel. Und sogar eine Sternenschnuppe habe ich gesehen. Ich machte mir noch nicht zu viel Hoffnung, dass ich auf dieser Liege einschlafen würde, aber ich wollte es versuchen. Chris meinte ich solle ihn wecken, sollte ich wieder reingehen. Nach einigen Minuten schnarchte dieser schon friedlich vor sich hin. Ich versuchte eine einigermaßen bequeme Position zu finden und auch alles zu bedecken, sodass mir nicht kalt wurde. Es gelang mir sogar einzuschlafen. Für ca. 40 Minuten, dann wurde ich wach und mir war schrecklich kalt. Ich beschloss wieder reinzugehen. Ich weckte Chris, der sich in einem Tiefschlaf befand und kaum aufzuwecken war, was mir bei diesen Umständen ein Rätsel war. Schon immer habe ich diese Menschen beneidet die überall und immer ohne Probleme einschlafen konnten. Wir gingen wieder ins Zimmer, wo die Luft schon angenehmer war. Ich freute mich, dass ich einen weiteren Punkt von meiner Lite streichen konnte. Denn auch wenn es nicht die ganze Nacht war, ich habe unter dem Sternenhimmel geschlafen. 🙂

Am nächsten Morgen ging es gegen 7:30 Uhr für Chris, Carlos und mich los. Diese wollten auch mal früh laufen und schlossen sich mir an. Wie immer erwarteten uns schöne Farben und Chris und Carlos waren sehr begeistert, denn für sie war es das erste mal, dass sie so früh losliefen. 

Unser heutiges Ziel war ,,Mansilla de las Mulas“ und es war wieder nur ein Weg von 18 Kilometern. Durch Zufall hat es sich so ergeben, dass es dort ein großes Wiedersehen geben sollte. Alle wollten nämlich am nächsten Tag eine kurze Strecke in die Stadt Leon haben, welche das letzte richtige Highlight vor Santiago de Compostela sein sollte. Ich erfuhr, dass Aaron mit der Gruppe von damals mit denen wir in Granon gegessen haben zusammen lief und sie auch alle in Mansilla sein würden. Ich freute mich alle wieder zu sehen. Chris, Carlos und ich liefen unsere gerade Strecke und unterhielten uns über alles mögliche. Plötzlich erhielt Carlos einen Anruf von Ruben. Sie sprachen spanisch. Chris und ich sahen an Carlos Gesichtsausdruck, dass etwas nicht stimme. Er sagte paar mal ,,oh my god“. Und dann machte er eine Bewegung mit der Hand am Hals, die für mich bedeutet, dass jemand umgebracht wurde und sagte dazu ,,George!“. Chris und ich schauten uns entsetzt an. Mir wurde schlecht. Wurde George in seiner Hängematte etwa nachts umgebracht!? Carlos unterhielt sich noch paar Minuten mit Ruben und mir kam es vor wie eine Ewigkeit. Ich wollte wissen was los war. Er legte auf und ich wollte schon anfangen zu heulen. Er schaute uns an und sagte uns, dass George von Pilgern als Dieb erkannt wurde und dass diese die Polizei gerufen hätten. Er wurde aufs Revier mitgenommen und nun wird in dem Ort alles nach Diebesgut abgesucht. Ruben und Loretto wurden auch als Zeugen befragt. Ruben hatte auch mit den Pilgern gesprochen, die ihn erkannt hatten und war sich ziemlich sicher, dass diese die Wahrheit sagten. Wir drei waren schockiert. Aber vor allem Chris und Carlos, die ihm ja auch noch ihr Geld geben wollten, damit er weiter pilgern konnte. Die Enttäuschung stand uns allen ins Gesicht geschrieben. Wir machten in dem nächsten Dorf halt und frühstückten erstmal. Plötzlich hatte jeder von uns komische Geschichten über George auf Lager. Mir fiel die Warnung der deutschen Frau wieder ein, die ich völlig vergesse hatte. Carlos erzählte uns wie er George ausgefragt hätte, nachdem dieser erzählt hatte er sei beklaut worden. Lorretto hat Carlos noch am Telefon erzählt, George hätte ihr gestern ein Schweizer Taschenmesser verkaufen oder geben wollen. Sie hat es nicht ganz verstanden. Carlos wurde wieder angerufen und bekam ein Update. In der Zeit schrieb ich mit Aaron, der zu der Zeit schon in dem Dorf war, welches wir verlassen hatten und wo George erwischt wurde. Es stellte sich heraus, dass es die Schweizer waren, die ihn erkannt hatten. Und zwar diese mit denen Aaron und ich in Granon damals zusammen gegessen haben und die uns von dem Mann erzählt hatten, der sich ihrer Gruppe angeschlossen hatte, sie dann beklaut hat und verschwunden ist. Es war George gewesen. Aaron passte auf die Rucksäcke auf, während alle anderen mit der Polizei sprachen, weil sie irgendwie in die Sache involviert waren. Carlos erzählte uns, dass Ruben ihm gesagt hätte die Polizei konnte bei George nichts finden. Sie hätten aber das Schweizer Taschenmesser irgendwo gefunden (ich weiß nicht mehr wo, aber George hat es wohl in dem Dorf versteckt). Wir fragten uns was George mit dem ganzen Geld gemacht hat. Auf einmal meinte Carlos, dass George an dem Tag an dem er vorgelaufen ist (und dann angeblich beklaut wurde) unbedingt eine Bank gesucht hätte. Wir vermuteten, dass er das Geld irgendwo hin geschickt hatte. Wir konnten an dem Tag kaum über etwas anderes sprechen. Jedem fielen immer mehr kuriose Sachen ein, die nun Sinn machten. Jeder hatte ein kleines Puzzleteil. Zum Beispiel erzählte mir Aaron, dass es auch der Typ gewesen ist, der damals die Dose in die Natur geworfen hätte. Alle kannten George von irgendwo her. Nun freuten wir uns noch mehr auf den Abend, wenn alle da sein würden und wir über das ganze Geschehen sprechen konnten. Das war alles ziemlich aufregend, aber auch ziemlich traurig.

lustige Pilgerstatuen auf dem Weg

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