Ankunft in Saint-Jean-Pied-de-Port

Ankunft in Saint-Jean-Pied-de-Port

Ankunft in Saint-Jean-Pied-de-Port

Ich liebe die Morgenstimmung einer Großstadt. Wach zu sein und durch die stillen Straßen zu laufen, noch bevor alle anderen wach sind, der
alltägliche Trubel losgeht und jeder sich in seinen eigenen, nie stillstehenden Gedanken zerstreut. Es ist noch dunkel und die Stille kann man sogar riechen.  Ab und zu sieht man ein Auto vorbeifahren. Ein müder Mensch sitzt darin. Fährt er schon zu Arbeit? Oder ist er auf dem Weg in sein Zuhause, um sich dem langersehnten und mit Sicherheit verdienten Schlaf hinzugeben? In der Dunkelheit trifft man auch die ein oder andere verirrte Seele.  Ohne Zuhause, ohne Bett. Man ist nie alleine in einer Großstadt, aber morgens spürt man diese wundervolle Ruhe, bevor die Welt allmählich wieder schneller wird.
Mein Tag fing heute sehr früh an. Mein Flugzeug ging schon um 6 Uhr morgens vom Flughafen Tegel. Also musste ich dementsprechend kurz vor 4 aus dem Haus. Zu dieser Uhrzeit aufzustehen und zum Flughafen zu fahren hat mich sehr an meine Flugbegleiterin Zeit erinnert und ich wurde leicht wehmütig.
Natürlich lief nicht alles reibungslos ab und meine größte Sorge, dass durch Corona etwas schief laufen könnte, hätte sich fast bestätigt.
Uns wurde kurz vorm Boarding gesagt, dass wir nur Einwegmasken tragen dürfen (das galt nur für Flüge nach Paris). Ich hatte nur meine eigenen Masken dabei, sowie auch einige andere Leute, die mit mir auf den Flug warteten. Das Personal war nicht sehr freundlich und auf die Frage wo wir denn jetzt Masken herbekommen sollen, zeigten sie schlechtgelaunt auf einen Automaten. Nur, dass dort außer Brillenputztüchern und Kondomen nichts anderes zu finden war. Auch im Duty Free gabs keine Masken zu kaufen. Aber das interessierte keinen. Es hieß: Ohne diese Maske dürft ihr nicht ins Flugzeug. Panisch fingen  wir an rumzulaufen und einfach Leute anzusprechen, ob diese noch Masken übrig hätten. Zum Glück lief dann alles gut und jeder ergatterte eine.
In Paris angekommen lief ich in Erinnerungen schwelgend durch den mir vertrauten Flughafen an den Check-in Schaltern vorbei, und auch an dem Emirates Schalter an dem ich noch vor nicht allzu langer Zeit in meiner Uniform mit meinem roten Hut und dem weißen Schleier gestanden hatte.
Ich nahm den Flughafenzug in die Innenstadt. Am Bahnhof Montparnasse stieg ich um, um dort dann in den Zug zu steigen, der mich immer näher an mein Ziel  bzw. meinen Startpukt bringen sollte. Jetzt muss ich kurz inne halten. Ich finde diesen Gedanken so beeindruckend. Mein Ziel ist gleichzeitig auch mein Startpunkt. So wie alles im Leben. Denn eigentlich gibt es kein richtiges Ziel. Man kommt nie an. Es geht immer weiter. Und der Weg den man geht, im hier und jetzt, ist das einzige was da ist.

Meine Zugfahrt sollte um die 4 Stunden gehen und ich machte es mir gemütlich. Ich liebe Zugfahrten. Ein bisschen Musik zu hören und dabei auf die vorbeiziehenden Dörfchen und Landschaften zu schauen. Schon nach 2 Stunden bekam ich eine Benachrichtigung, dass mein Anschlusszug von Bayonne nach Sain-Jean-Pied-de-Port  gestrichen wurde. Ich recherchierte ein bisschen und sah, dass noch ein letzter Zug um 18:30 Uhr fahren sollte. Ich hoffte einfach diesen nehmen zu können. Ich schaffte es für paar Minuten einzudösen,aber ich war zu aufgeregt. Der Zug kam mit einer 40 minütigen Verspätung in Bayonne an und ich ging dann direkt zur Information. Mir wurde gesagt ich könne den nächsten Zug dann einfach nehmen. Mir blieben noch 50 Minuten Zeit. Also ging ich aus dem kleinen Bahnhof raus und mich erwartete eine sehr schöne Überraschung. Ich hatte mir irgendwie gar keine Gedanken gemacht wie Bayonne wohl aussehen würde. Und es war so niedlich! Kleine französiche Gassen, süße Cafes und Restaurants an jeder Ecke und ein wunderschöner FLuss. Ich kaufte mir was zu Essen (natürlich musste es ein französisches  Gebäck mit Schokolade sein) und setzte mich ans Wasser. Obwohl es schon fast 18 Uhr war, war es unglaublich heiß und die Sonne knallte mir ins Gesicht. Ich bekam Angst, als ich an den morgigen Tag und meine Wanderung dachte. Dann lief ich noch ein bisschen in der Stadt herum und hetzte dann zurück zum Bahnhof.

Ich war von Bayonne wirklich sehr positiv überrascht.Die nächste Zugfahrt dauerte nur noch eine Stunde und dann war ich endlich da!
In Saint-Jean-Pied-de-Port angekommen sah alles so klein und friedlich aus. Ich sah schon einige Pilger vom Zug in die Stadt laufen. Nach 10 Minuten war ich dann in meinem Hostel. Auch dieses machte sofort einen schönen Eindruck auf mich. Alle Menschen die ich auch traf waren
super hilfsbereit und so nett. Nach dem einchecken ging ich ins Pilger office nebenan und besorgte mir meinen Pilgerpass (in diesem kann man unter anderem Stempel auf dem Weg sammeln) und bekam eine Camino Muschel. Diese Muschel hängen sich die Pilger an ihre Rucksäcke und so erkennt man sich gegenseitig. 🙂
Mir wurde noch ein Zettel mitgegeben welche Herbergen zur Zeit offen hätten und welche nicht aufgrund der jetzigen Situation.

Danach spazierte ich noch ein bisschen rum und lief hoch zur Zitadelle, die direkt über meinem Hostel tröhnte. Ich spürte solch einen Frieden in mir.  Alles war so schön und entspannt. Die Sonne ging hinter den Bergen unter und verlieh durch die sanfte orangene Farbe den Wiesen und der ganzen Stadt eine so friedliches Stimmung. Als es anfing zu dämmern machte ich mich auf den Weg zurück in mein Zimmer. Ich musste mich ja
auch auf den morgigen Tag vorbereiten und war noch dazu sehr erschöpft durch den langen Tag. Mir kommt es jetzt schon so vor als wenn ich vor Tagen aufgebrochen wäre. Ich  kanns gar nicht glauben, dass ich heute Nacht noch in der Tram in Berlin saß. Nun sitze ich auf meinem Bett und schreibe diese Zeilen. Meine Zimmergenossin ist auch super nett, heißt Esther und kommt aus Frankreich. Bestimmt werden wir uns öfter über den Weg laufen 🙂

Die Zitadelle
Die Pilgermuschel und der Pilgerpass


Ich werde versuchen zu schlafen, sodass ich morgen noch vor Sonnenaufgang aufbreche und die meisten Kilometer noch vor der Mittagssonne schaffe. Morgen sollen es 37 Grad werden.
Love, eure Sarah

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